Africtions – The Pioneers Teil II: Abbanay Abbanay


08. November 2014 · 19:30 Uhr

Wo: Theater im Pfalzbau, Ludwigshafen
Wie viele: 50 Karten

Sie reservieren beim Kulturparkett (info@kulturparkett-rhein-neckar.de oder telefonisch 0621 44599550) und können Ihre Karte dann direkt an der Abendkasse abholen.

ABBANAY ABBANAY (Uraufführung)

ABBANAY, „Mein Vater“ – Wer war, wer ist er für mich? Taigue Ahmed und sein Duettpartner Djamal Noudjingar blicken auf das Heranwachsen ohne Väter, auf dessen Relevanz im kriegsgeprägten Tschad und anderswo. Was fehlt, wenn kein Vater Zuflucht bietet, Wege weist, Werte vermittelt? Wenn keine Reibung aneinander möglich ist? In einem auch von Tanzbattles und Hip-Hop inspiriertem Stück geben die Tänzer und ein Zithar spielender „Griot“, singender Überlieferer kulturellen Wissens, der Spurensuche Ausdruck. Dabei verbinden sie den körperlichen Widerhall der Stimme der Weisheiten mit dem Bewegungsfluss der Recherche: dem Schmerz über die väterliche Abwesenheit, dem Zorn auf die Lücke, dem Appell an verantwortliches Zusammenleben.

Ahmed, ausgebildet im traditionellen tschadischen Nationalballett sowie in Paris und vielfach engagierter Tänzer, ist Mitbegründer des Künstlernetzwerks Ndam Se Na in N’Djamena, in dessen Rahmen er und auch Noudjingar Tanzprojekte vor Ort und in Flüchtlingscamps sowie internationale Tanzfestivals realisiert. „Bei uns sind die meisten vaterlosen Jugendlichen obdachlos, ausgebeutet, aggressiv, alkohol- und drogenabhängig. Viele treten in die Armee ein. Ich bin dankbar, zeitgenössischen Tanz erlernt zu haben.“

LÀ OÙ J’EN SUIS (Uraufführung)

Von traditioneller kongolesischer Schminke zu plastischer Kunst und Installation. Von rituellen Tänzen zu Butoh und Bodypainting. Von definierter Choreografie zum Urban Happening mit Schlamm: All diese Entwicklungslinien nimmt das vierköpfige Ensemble in LÀ OÙ J’EN SUIS vorwärts wie rückwärts, sich kreuzend und einander inspirierend auf – und überlistet bestechend vital den Widerspruch zwischen Präsentation und Spontaneität.

Komposition und Improvisation verknüpfend, entsteht ein Szenario, in dem alte Reigen und Riten anklingen, kongolesische Tanzgeschichte subjektiv kaleidoskopisch aufscheint, surrealistische Brechungen die Splitter verweben. Aufbauend auf einer Testreihe impulsiver Performances auf den Plätzen von Brazzaville nimmt das Stück die Überraschungen dieser Streifzüge mit in den Bühnenraum.

WENA MAMELA (Uraufführung)

Eine Spitzhacke, das ultimative Frauenwerkzeug afrikanischer Agrikultur und Spitzenschuhe, das Attribut jeder Balletttänzerin – mit diesen Referenzen und einer lebensgroßen Kostümfigur als „Partnerin“ performt Mamela Nyamza ein exzentrisches Solo, das ihre persönliche Geschichte als schwarze südafrikanische Frau und Tanzkünstlerin reflektiert. In schillernden Bildern seziert sie die Fesseln traditioneller Rollenzuschreibungen und sprengt das Korsett klassischer Erwartungen an den weiblichen Bühnentanz.

Ihr wütend-charmanter Aufruf zu Gleichberechtigung und Entfaltungsfreiheit im Leben wie in der Kunst basiert auf Assoziationen: „Hoe“, das englische Wort für „Hacke“ steht auch degradierend für „Hure“, für von Männern benutzte Frauen. Aber auch: „Wenn du viel Zeit im Schatten eines Baumes, dem heiligen Ort der Ahnen, verbringst, kannst du eines Tages seine Krone erreichen. Damit ein Baum wächst, braucht Wasser, Licht, „Hoe“ und Pflug.“