17.09. – 06.11.2016: Port 25 – Timelines und Seiichi Furuya – Gravitation


17. September - 06. November 2016, 12:00 - 18:00 Uhr

Wo: Hafenstraße 25-27, Mannheim
Eintritt frei!  DIENSTAG – SONNTAG :  12:00 – 18:00 Uhr

Ausstellungen

Timelines

Zeit ist ein nur schwer beschreibbares Phänomen, von welchem jedoch eine große Faszination ausgeht – ein Rätsel, ein Paradoxon, die Grundlage allen Seins. Im sprachlichen Gebrauch operieren wir mit dem Begriff Zeit, zumeist ohne genauer darüber nachzudenken, was Zeit im eigentlichen Sinn bedeutet. Im Unterschied zu den für einen Laien nur schwer verständlichen wissenschaftlichen Analysen von Zeit, bietet die bildende Kunst einen eigenen Zugang zu diesem Thema, indem sie sinnlich und ästhetisch nachvollziehbar macht, was sich hinter dem Begriff Zeit verbergen kann. Zahlreiche Künstlerinnen und Künstler der Gegenwart befassen sich auf vielfältige Weise mit dem komplexen Thema. Über die Erzeugung langlebiger ästhetischer Objekte hinaus haben die Handlung sowie der Prozess in ihrer jeweiligen künstlerischen Praxis an Bedeutung gewonnen. Der Blick durch die Kunst auf die Zeit ermöglicht uns nicht zuletzt eine Atempause von der Beschleunigung, der wir im Alltag ausgesetzt sind. Diese Pause bietet eine Alternative zur üblichen Methode, Zeitknappheit durch Beschleunigung zu kontrollieren und dadurch das Bewusstsein unserer eigenen Zeitlichkeit zu verdrängen.

An der Ausstellung nehmen Künstlerinnen und Künstler verschiedener Generationen und mit unterschiedlichen künstlerischen Praxen teil. Sie richten den Blick auf ein komplexes Thema, das die Wahrnehmung für das Verstreichen von Zeit ins Zentrum ihrer künstlerischen Produktion stellt.

Teilnehmende Künstlerinnen und Künstler:

Siegfried Anzinger, Collaboration_Patrycja German / Holger Endres, Claudia Desgranges, Peter Dreher, Byung Chul Kim, Karin Hoerler, Herlinde Koelbl, Jürgen Krause, Ae Hee Lee, Pia Linz, Oscar Muñoz, Jens Risch, Jan Schmidt, Claus Stolz, Konstantin Voit.

SEIICHI FURUYA – GRAVITATION, IM RAHMEN DER OFF//FOTO

Die Fotografien des in Japan geborenen Seiichi Furuya verweisen stets auf das Verhältnis von
individueller und politischer Geschichte und berühren so unser Verständnis von Zeitgenossenschaft und Erinnerung. Mit seinen sehr persönlichen Aufnahmen, die er bis heute in vielzähligen, immer wieder aufs Neue editierten Fotobüchern publiziert, ordnet er private und öffentliche Vergangenheit. Der Rückblick erfolgt mit zunehmender Distanz auf das Erlebte und Gesehene. Aus der zuletzt getroffenen 44-teiligen Auswahl „Gravitation“, die bereits in den Technischen Sammlungen Dresden und kürzlich in der Galerie Thomas Fischer, Berlin, zu sehen war, zeigt Port25 – Raum für Gegenwartskunst anlässlich der OFF//FOTO eine Zusammenstellung von 13 Fotografien, die zwischen 1983 und 1994 entstanden sind. In dieser Zusammenschau von Sujets, die auf den ersten Blick banal erscheinen, prägen sich dennoch signifikante Bilder ins eigene Bildgedächtnis ein. Es sind starke Bilder, die paradoxerweise gerade durch ihre scheinbare Bedeutungslosigkeit ein besonderes Gewicht bekommen.

Dies lässt sich beispielhaft an der Fotografie nachvollziehen, auf der eine Katze sich auf einem
gewundenen, schneebedeckten Pfad auf den Weg aus dem Bild macht. Der Schnee ist schon von den Spuren der Katze gezeichnet, obwohl wir sie selbst noch sehen. Er wird in naher Zukunft ebendiese Spur des Tieres, das inzwischen nicht mehr am Leben ist, wieder bedecken. Das Bild einer Katze im Schnee wird somit zur Metapher der Zeitlichkeit, der fotografischen ebenso wie der persönlichen und der grundsätzlichen. Immer wieder lenken die Fotografien den Blick des Betrachters auf den Boden von dem aus das Leben beginnt und an den es wieder zurückkehrt. In diesem Sinne ist Gravitation eine poetische Meditation über das, was zurückbleibt und das, was erst zu erkennen ist, wenn es bereits vergangen ist.

Seiichi Furuya (*1950 in Izu, Japan) verließ Japan 1973. 1980 war er Mitbegründer der Zeitschrift
„Camera Austria“ und hat die österreichische Fotografieszene entscheidend mitgeprägt, sowie durch zahlreiche Ausstellungen japanischer Fotografie einen lebendigen Austausch zwischen Österreich und seinem Herkunftsland Japan hergestellt. In Anerkennung seines fotografischen Werkes und der von ihm herausgegebenen Fotografiebände erhielt er 1994 den Camera Austria-Preis für zeitgenössische Fotografie der Stadt Graz, wo er heute überwiegend lebt und arbeitet.

Die OFF//FOTO fungiert als flexible künstlerische Plattform für Fotografie in der Metropolregion. In der diesjährigen zweiten Ausgabe zeigen 51 Ausstellungsorte neue fotografische Positionen und etablieren die OFF//FOTO damit als weiteres Format für zeitgenössische Fotografie an Rhein und Neckar.