Theater Pfalzbau (LU) – Tanz: Extremalism / Bolero


Fr, 26. / Sa, 27. Oktober 2018, 19:30 Uhr

Wo: Theater Pfalzbau, Ludwigshafen
Wie viele: 5 Karten

Sie reservieren bis 3 Tage vor der Vorstellung beim Kulturparkett (info@kuturparkett-rhein-neckar.de oder telefonisch 0621-44599550) und können Ihre Karte dann direkt an der Abendkasse im Theater Pfalzbau abholen.

Extremalism / Bolero

BALLET NATIONAL DE MARSEILLE, FRANKREICH
Choreographien von Emio Greco / Pieter C. Scholten

Feierliche Eröffnung der Festspiele Ludwigshafen 2018
Mit den Blechbläsern der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz

Das Ballet National de Marseille wurde 1972 von Roland Petit gegründet und über zwanzig Jahre lang geleitet. Als die künstlerische Leitung 1998 an Marie-Claude Pietragalla und in ihrer Nachfolge 2004 an Frédérick Flamand überging, setzten sich beide dafür ein, dass sich die Compagnie neuen künstlerischen Erfahrungen öffnete. 2014 wurden Emio Greco und Pieter C. Scholten berufen, die Geschicke des Ballet National de Marseille zu lenken. Sie knüpften an das an, was sie mit ICKAmsterdam begonnen hatten, einem internationalen Choreographie-Zentrum in Amsterdam. Dort hatten sie ebenso intensiv mit dem klassischen Vokabular als auch mit Elementen des postmodernen Tanzes gearbeitet. Mit dem Ballet National de Marseille entwickelten sie ein Programm, das sie „the rebellious body“ nannten und das sich mit der Stellung des Künstlers in der Gesellschaft auseinandersetzt. Mit dem schlichten Titel „le corps du ballet“ überschrieben sie ihr Streben, eine neue Form des zeitgenössischen Balletts zu gestalten.

Ihre Aufsehen erregende Kreation Extremalism enthält den Widerspruch von „extrem“ und „Minimalismus“: Extrem im Hinblick auf den Umgang mit Körper, Bewegung, Bühnenbild, Beleuchtung, Ton, minimalistisch in der Beschränkung auf das Wesentliche. Ausgangspunkt ihrer Arbeit war die Frage, wie sich der Körper in extremen Situationen verhält. Wie reagiert der Körper auf eine Krise? Wie wirken sich Hunger, Wohlstand, Stress, Fluchterfahrung, Digitalisierung, Überbevölkerung, Erschöpfung auf den Körper aus? Greco/Scholten zeigen in ihrer Choreographie, wie destabilisierend und zerstörerisch extreme Situationen auf den Körper einwirken.

Für Boléro befreiten sie sich von Anfang an davon, dem nacheifern zu wollen, was die russische Tänzerin und Choreographin Bronislava Nijinska zur Musik Maurice Ravels für ihre Tänzer geschaffen hatte und unweigerlich an berühmte Szenen aus Carmen denken ließ. Greco/Scholten hingegen kam es auf die Reibung zwischen Körper und Musik an. Bei ihnen ist die Musik nicht nur ein Zeichenstift, aus dem die Erzählung fließt, sondern ein Protagonist, mit dem sich die Tänzer auseinandersetzen müssen. Die Musik des Boléro symbolisiert einen inneren Kampf, der die Dualität in jedem Menschen zum Ausdruck bringt. Indem der Körper der unerbittlichen Rhythmus-Linie ausgesetzt ist, offenbart er ihr Zögern, ihre Risse, ihren Atem.