TiG7 – Armer Süden–Reicher Norden?


30. Oktober 2015 · 20 Uhr

Wo: TiG7 – Theater in G7
Wie viele: 6 Karten

Gegen Vorlage des Kulturpasses erhalten Sie im Kulturparkett-Laden (S3, 12 in 68161 Mannheim) eine Karte und können damit die Aufführung besuchen.

Armer Süden – Reicher Norden? Teil 1: Warte nur, es passiert schon was!

Der Süden Europas versinkt in Armut und Arbeitslosigkeit, der Norden und besonders Deutschland steigen auf. Portugal, Spanien, Italien und – wie wir gerade erleben – Griechenland sind besonders betroffen. Junge Menschen in diesen Ländern leiden unter existenziellen Ängsten und haben keine Zukunft. Aber auch Alte, Frauen, Arbeitslose, Frührentner und einfache Arbeiter gehören zu den Verlierern der Finanzkrise. Mit dem Projekt „Armer Süden – Reicher Norden“ wollen wir die Auswirkungen der Finanzkrise literarisch zu Wort kommen lassen. Das Projekt findet von Oktober 2015 bis Mai 2016 statt und besteht aus vier Teilen, die jeweils einem Land gewidmet sind. Teil 1 widmet sich Griechenland, Teil 2 Italien, Teil 3 Spanien und Teil 4 Portugal.

Teil 1: Griechenland
Warte nur, es passiert schon was!                                                                                                       Im ersten Teil des Projektes „Armer Süden – reicher Norden“ ist der Krisen-Verlierer mit dem Autor Christos Ikonomou im Theaterhaus TIG 7 zu Gast. Christos Ikonomou wurde 1970 in Athen geboren und ist auf Kreta aufgewachsen. Er arbeitet als Journalist, u.a. für die Athener Tageszeitung Ethnos. Ferner ist er als Übersetzer und freier Autor tätig. Für seinen Erzählband „Warte nur, es passiert schon was“ erhielt er den griechischen Staatspreis für Literatur.

In diesen Kurzgeschichten erzählt der Autor melancholisch schön von den Verlierern der Finanzkrise. In empathischer Weise zeigt er uns anhand von Einzelschicksalen die unmittelbaren Auswirkungen der wirtschaftlichen Depression in Griechenland.

Acht Jahre lang hat Ikonomou beobachtet, wie sich in seinem Heimatland die wirtschaftliche Depression in den Alltag der Unter- und Mittelschicht gefräst hat und daraus hat er Stoff für Erzählungen gewonnen.

Drei dieser Erzähler hat Peter Klein für die Bühne bearbeitet und ist dabei dem feinfühligen Chronist Ikonomou gefolgt, der uns teilhaben lassen will, wie sehr die Arbeiter zwischen Box- und Mietskasernen unter existentiellen Ängsten leiden.

I.

In „Elli, füttere das Schweinchen“ betritt eine Frau ihre Wohnung am Freitagnachmittag und muss nun feststellen und sich eingestehen, dass ihr Partner sie verlassen hat. Aber nicht nur ihr Mann ist weg, sondern auch ihr Sparschwein, das sie fast ein Jahr lang täglich mit einem oder mehreren Euro gefüttert hat. Was ihr geblieben ist, sind die unbezahlten Rechnungen und ein gesperrtes Telefon.

Elli kämpft darum, nicht klein beizugeben und aufrecht zu bleiben.

Ihres Sparschweins beraubt und gezeichnet von existenziellen Ängsten, räsoniert sie: „Wenn wir Armen uns Armen schon so etwas antun, was müssen uns dann erst die Reichen antun“.

II.

Im zweiten Teil des Abends „und ein Überraschungsei für den Jungen“, wird von einem mittellosen Vater, dessen kleiner Junge ebenso wie er selbst hungern muss und der kein Geld auftreiben kann, um dem Kind etwas zu essen zu bringen, erzählt. Die Geschichte beginnt am
Gründonnerstagmorgen und endet in der Nacht auf Karfreitag in einer Kirche. Ostern steht bevor und er kann nichts Besonderes, Festliches, Österliches wie Ostergebäck oder ein Überraschungsei für das Kind besorgen. Stattdessen irrt er vor dem Fest durch die Straßen und spürt, wie er vor Hunger und Scham innerlich ausgehöhlt wird, wie von hungrigen Ratten.

Nichts wird spürbar von Christi Auferstehung, die Osterfreude stellt sich nicht ein. Es bleibt Karfreitag.

III.

Im dritten Teil des Abends begegnen wir einer Gruppe gebrechlicher Rentner, die sich in einer kalten Nacht vor einem Sozialversicherungsgebäude treffen, um am nächsten Morgen in der Schlange vorne zu stehen und so einen Termin zu bekommen.

In „Die Dinge, die sie mit sich herumtrugen“ scharen sich die Männer schließlich elend frierend vor einem Feuer in einer Tonne, die sie sich auf einer nahen Baustelle mit alten Paletten „besorgt“ haben.

Nicht das Fallen ist das, was einen umbringt, sondern der Stillstand, lässt Ikonomou einen seiner Rentner in dieser wundersam-tristen Geschichte sagen.

Dauer: ca. 2 Stunden mit Pause