Vortrag – Das Märchen „Hänsel und Gretel“: Die Verzauberung durch die Große Mutter


22. Mai 2015 · 20:00 Uhr

Wo: Johannis-Freimaurerloge „Carl zur Eintracht“, Logenhaus, L 9, 9 – 68161 Mannheim
Eintritt frei!

Vortrag von Dr. phil. Friedrich Schröder
Das Märchen „Hänsel und Gretel“: Die Verzauberung durch die Große Mutter.
Eine tiefenpsychologische Interpretation.

Im Vortrag wird die psycho­thera­peutische Methode der „Ana­lytischen Psychologie“ von C. G. Jung auf den Text des grimmschen Märchens angewendet. Dabei geht der Referent zunächst von der Namenssymbolik der beiden kleinen Titelhelden aus und leitet davon den Entwicklungs­weg ab, den die Kinder in der Erzählung gehen müssen. Dieser wird besonders durch die Doppeldeutigkeit der Sinnbilder und des Archetyps der Großen Mutter bestimmt, die Hänsel und Gretel in den negativen Gestalten der Stiefmutter und der Hexe begegnet. Dramatischer Höhepunkt dieses Reifungsprozesses ist die Auseinandersetzung der Kinder mit der dämonischen „Herrin des Waldes“. Vertieft wird die Inter­pretation dieses Geschehens durch die Einbeziehung der Pubertätsriten bei den „Naturvölkern“ und C. G. Jungs Deutung der biblischen Geschichte des Propheten Jona. Am Ende erscheint der Schatz des Hexenhauses als Symbol des Selbst, des zentralen Urbilds der Seele, das sich in Gretel als eigentlicher Märchenheldin ver­körpert und die Verzauberung durch die Große Mutter zum notwendigen Durchgangsstation des Lebens im Sinne des „stirb und werde“ macht.