Theater im Pfalzbau: DREI SCHWESTERN


14.6.2018 | 19:30 Uhr

5 Karten stehen für die Vorstellung im Theater im Pfalzbau zur Verfügung. Die Karten liegen an der Abendkasse – nach vorheriger Reservierung nur hier unterhalb des Textes mit dem Reservierungsformular bis spätestens 12.6. – bereit.

SCHAUSPIEL: DREI SCHWESTERN

Schauspiel von Simon Stone nach Anton Tschechow

Voller Wehmut erinnern sich Olga, Mascha und Irina an ihre glückliche Kindheit in Moskau. Alle ihre Sehnsüchte, ihr Gefühl verpasster Chancen projizieren sie auf diese Stadt, die sie schon lange nicht mehr gesehen haben. Ihr Leben spielt sich auf dem Lande ab, in der Provinz, wo es wenig glamourös zugeht. Ein ständiges Ringen um Sinn, Erfüllung, Beschäftigung ist der Alltag der drei Schwestern. Unablässig reflektieren sie ihr Dasein in der ländlichen Tristesse, dazwischen passieren, fast beiläufig, die wahren Tragödien: eine unglückliche Liebe, ein tödliches Duell, ein brennendes Haus

Anton Tschechow lässt keinen Zweifel daran, dass es den dreien nie gelingen wird, sich aus ihrem gefühlten Gefängnis zu befreien. Wohin sollten sie auch gehen? Das Moskau ihrer Träume existiert nicht. Mit seinen Stücken, die er selbst eher als Komödien sah, setzte Tschechow eine radikale Zäsur in der Theatergeschichte. Nie zuvor hat ein Dramatiker in diesem Maß der Trivialität des Daseins Raum gegeben und mit großer Schärfe über die eigene Zeit, das eigene Milieu erzählt. Wie Tschechow selbst begreift der Regisseur Simon Stone die Drei Schwestern als Gegenwartsstück – bezogen auf die Gegenwart, in der es gespielt wird. Olga, Mascha, Irina und all die anderen sind für ihn Menschen von heute. Auch bei dieser Inszenierung bewährt sich Stones spezifische Arbeitsweise. Er überschreibt die Dialoge, setzt die Figuren und ihre Sprache in einen modernen Kontext und wird so dem Ursprungsgedanken mehr als gerecht.

Tschechows Sinnsucher verortet Stone in einem Ferienhaus, wo ihre freiwillige Auszeit zum Desaster gerät. Konflikte brechen auf, Lebenslügen werden sichtbar, der Stillstand ist rasend. Wir schauen von außen zu, wie die Gesellschaft durch das spektakuläre Bühnenbild wuselt und zunehmend den Halt verliert. Ihre vergebliche Betriebsamkeit verweist überzeugend auf unsere allzu schnelle, allzu oberflächliche Zeit. Das ausnahmslos glanzvolle Ensemble, darunter zum vierten Mal in dieser Spielzeit der Schauspieler Roland Koch, agiert mit Mut zum großen Gefühl und zur schonungslosen Abrechnung mit dem Hipster von heute.

Simon Stone ist Hausregisseur am Theater Basel. Seit einigen Jahren fällt er durch seine entschiedenen und innovativen Stücküberschreibungen auch international auf. Mit Ibsens John Gabriel Borkman (in Koproduktion mit dem Burgtheater Wien und zu Gast bei den Festspielen Ludwigshafen 2016) bescherte er dem Theater Basel bereits 2016 eine Einladung zum Berliner Theatertreffen, die zweite folgte 2017 mit seiner Inszenierung von Tschechows Drei Schwestern. Auch mit dem wichtigen Nestroy-Theaterpreis wurde er mehrfach ausgezeichnet.

„Cool, aber doch mit einem Maximum an Emotion aufgeladen…“ Süddeutsche Zeitung

„Pures Schauspielertheater, so richtig old school mit Figuren, mit Handlung, mit So-tun-als-ob, mit Pathos und vorgeführten Gefühlsausbrüchen – und es war herrlich!“ Berliner Zeitung