Thomas Mann und die Bibel (Vortrag)

Wann: 12. Juni 2026 | 19:00 Uhr

Evangelische-methodistische Kirche Mannheim


Thomas Mann und die Bibel. Am Beipiel seiner Novelle “Thamar”. oder: Wie Thomas Mann zum “Feministen” wurde.

Dr. phil. Friedrich Schröder

Der Ausgangspunkt von Thomas Manns Novelle “Thamar” ist in der
Bibel die Geschichte von Tamar, der Ehefrau von Juda, dem vierten Sohn
von Jakob. Sie steht im Alten Testament, Buch Genesis, Kap.38 und
wird zu Beginn des Vortrags kurz skizziert. Manns Neuinterpretation
der Bibelepisode ist Bestandteil seiner Tetralogie “Josef und seine Brüder”,
die der Dichter zwischen 1933 und 1943 niederschrieb. Seine Novelle
fügte er als fünftes Hauptstück in den letzten Teil seines großen Werkes ein.
Die Bibel erwähnt mit keinem Wort Tamars Gefühle. Hier setzt Manns
literarische Neudeutung an, indem sie aus dem rechtlichen Problem der
Leviratsehe im Alten Testament die Erzählung einer theologischen In-
spiration macht und diese psychologisch motiviert. Dabei verwandelt er
die biblische Geschichte in ein Lehrstück der “Frauenemanzipation”.
Bezüglich der Frage nach den Wurzeln für Manns “feministisches”
Engagement geht der Vortrag dann auch auf seine Mutterbeziehung und
die Darstellung doppeldeutiger Frauen in seinem Werk ein. Am Schluss wird
noch das Problem der Lebensleistung des Dichters und seine innere
Entwicklung thematisiert.

EINTRITT FREI


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