Didier Eribon

Wann: 22. Juni 2024 | 20:00 Uhr

Deutsch-Amerikanisches Institut (DAI)


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Programm:

Universitätsplatz Heidelberg

Eine Arbeiterin. Leben, Alter und Sterben

Eigentlich hatte Didier Eribon sich vorgenommen, ab jetzt regelmäßig nach Fismes zu fahren. Doch seine Mutter stirbt wenige Wochen nach ihrem Umzug in ein Pflegeheim in dem kleinen Ort in der Champagne. Wie in seinem autofiktionalen Essay Rückkehr nach Reims wird dieser Einschnitt zum Ausgangspunkt für eine Reise in die Vergangenheit. Eribon rekonstruiert die von Knappheit und Zwängen bestimmte Biografie einer Frau, die an einen brutalen Ehemann gekettet blieb und sich sogar in ihren Träumen bescheiden musste. „Meine Mutter“, hält er fest, „war ihr ganzes Leben lang unglücklich.“

Didier Eribons neues Buch ist hochpolitisch: Er legt schonungslos dar, wie sehr die Politik, aber auch die Philosophie, im Grunde die gesamte Gesellschaft die skandalöse Situation vieler alter Menschen lange verdrängt haben. Zugleich erweist er sich erneut als großer Erzähler: Anhand suggestiver Episoden und berührender Erinnerungen zeigt er, wie wichtig Familie und Herkunft für unsere Identität sind. Er kauft ein Dialekt-Wörterbuch, um noch einmal die Stimme seiner Mutter im Ohr zu haben. So entfaltet der Soziologe das Porträt einer untergegangenen Welt: des Milieus der französischen Arbeiterklasse – mit ihren Sorgen, ihrer Solidarität, ihren Vorurteilen.

Didier Eribon, geboren 1953 in Reims, ist ein französischer Soziologe, Autor und Philosoph. Seine Mutter arbeitete als Putzfrau, der Vater war Fabrikarbeiter. An seine Heimatstadt erinnert er sich „als Stadt der Beleidigung“, in der er als Arbeiterkind, aber auch wegen seiner Homosexualität herabgewürdigt wurde.  Es gelang ihm, zum Philosophiestudium zugelassen zu werden.  Eribon arbeitete u. a. als Journalist, veröffentlichte auch zahlreiche Bücher, darunter Gesprächs- und Interviewbände mit Claude Lévi-Strauss und Ernst Gombrich sowie eine viel beachtete Biografie Michel Foucaults. Sein Essay Rückkehr nach Reims wurde als literarisches Ereignis und Schlüsseltext zum Aufstieg des Rechtspopulismus rezipiert.

Eine Kooperation mit dem Deutsch-Französischen Kulturkreis (dfk) Heidelberg und feeLit. Internationales Literaturfestival Heidelberg.

Foto: Pascal Ito / Flammarion / Suhrkamp Verlag

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